Der Studiengang ist als eine philologisch fundierte, interdisziplinäre Regionalwissenschaft konzipiert, die sich mit den Sprachen und Kulturen des Nahen Ostens in ihren historischen Zusammenhängen beschäftigt, wobei der Schwerpunkt auf den älteren Epochen (3.-1. Jt. v. Chr.) liegt. Der zeitliche, geographische und inhaltliche Rahmen ist im Wesentlichen durch die Keilschrift bestimmt, die für eine Vielzahl genetisch und typologisch unterschiedlicher Sprachen benutzt wurde: Sumerisch, Akkadisch, Hethitisch, Elamisch, Hurritisch, Urartäisch u.a. In diesem Rahmen existierten auch Sprachen und Literaturen, die in anderen Schriftsystemen (hethisch-luwische Hieroglyphen, nordwestsemitische Alphabete, altpersische Keilschrift, ägyptische Schriften) aufgezeichnet wurden. Diese, sowie ihre modernen Nachfolgersprachen sind wenigstens teilweise ebenfalls Gegenstand des Studiengangs.  Sie sollen im Folgenden kurz vorgestellt werden:
 
1) Sumerisch, die mit keiner anderen Sprache verwandte, ältest überlieferte Sprache der Menschheit, die Sprache der Schrifterfinder aus dem südlichsten Viertel Mesopotamiens, vom 3. bis zum frühen 2. Jahrtausend v. Chr. (und im Kult und der Wissenschaft auch noch später) belegt.
 
2) Akkadisch, die (ost)semitische (d. h. mit dem Arabischen verwandte) Sprache der Babylonier und Assyrer, einst in Mesopotamien (Irak, Syrien) gesprochen, darüber hinaus im gesamten Vorderasien gebräuchlich und vom 3. bis zum 1. Jahrtausend v. Chr. durchgehend belegt. Das Akkadische ist geographisch und chronologisch die am weitesten verbreitete und nach der Zahl und Diversität der Texte die best bezeugte Sprache des Alten Orients.
 
3) Hethitisch, die ältest belegte indoeuropäische (d. h. mit dem Deutschen, Englischen, Lateinischen, Griechischen und Altindischen verwandte) Sprache der Bewohner Kleinasiens (Türkei) aus der Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. Neben dem Hethitischen stehen die nur unzureichend bekannten Sprachen Luwisch (in Keilschrift sowie einer eigenen Hieroglyphen-Schrift geschrieben), Palaisch (beide mit dem Hethitischen verwandt) sowie Hattisch (eine isolierte, mit keiner anderen verwandte Sprache).
 
4) Elamisch, eine isolierte Sprache aus dem Südwesten Irans, vom 3. bis zum 1. Jahrtausend v. Chr., allerdings etwas ungleichmäßig belegt.
 
5) Hurritisch und Urartäisch, zwei miteinander verwandte, aber sonst an keine andere Sprache genetisch anbindbare Idiome, erstere im 3. und vor allem 2. Jahrtausend in Mesopotamien (Irak, Syrien) und Kleinasien (Türkei), letztere im 1. Jahrtausend v. Chr. in  der Südosttürkei und Armenien gesprochen.
 
Ein besonderer Standortvorteil ist die seit 1925 im Besitz der Universität Jena befindliche und heute am Lehrstuhl Altorientalistik angegliederte „Hilprecht-Sammlung Vorderasiatischer Altertümer“, die den Studierenden einen einzigartigen Zugang zu den praktischen Aspekten altorientalischer Philologie ermöglicht. Der durch die rezenten Entwicklungen im Nahen Osten drastisch ansteigende Materialzuwachs verleiht dem Fach besondere Aktualität. Der universitären Ausbildung und Forschung kommt daher bei der wissenschaftlichen Erschließung und Bewahrung des oftmals gefährdeten und nur bedingt zugänglichen und kulturellen Erbes eine Schlüsselrolle zu.
Die in Jena vertretenen Fachschwerpunkte (Schrift-, Sprach- und Religionsgeschichte, insbesondere des 3. und 2. Jahrtausends v. Chr.) sowie die obligatorische Verbindung alter und neuer Sprachen des Vorderen Orients sind in Deutschland in dieser Kombination andernorts nicht vertreten.